Pressemitteilung der Hephata-Diakonie zur Jahrestagung am 31.10./01.11.2008 in Schwalmstadt-Treysa
Aktuell
bis heute
Tagung zu Ehren Johann Hinrich Wicherns in Hephata
Aus
Anlass des 200. Geburtstages von Johann Hinrich Wichern, Theologe, Pädagoge und
Sozialreformer, fand im Kirchsaal der Hephata Diakonie in Treysa eine zweitägige
Veranstaltung statt. Fachreferenten sprachen zu den Themen Wichern-Diakonie und
soziale Arbeit.
Schon früh
hatte die Hessische Kirchengeschichtliche Vereinigung (HKV) die Persönlichkeit
Wicherns als Tagungsthema festgelegt. Die Evangelische Fachhochschule Darmstadt
(EFHD) erweiterte dies noch um die Aspekte Diakonie, Theologie und Sozialpädagogik.
Gemeinsam luden beide Veranstalter dann am vergangenen Wochenende in den
Hephata-Kirchsaal. Neben den Mitgliedern der HKV und den Studierenden der EFHD
kamen noch viele Interessierte, etwa die Teilnehmer des Gästeseminars der
Diakonischen Gemeinschaft. Die längste Anreise hatte eine Teilnehmerin, die von
München hierher kam. „Ich hatte von der Tagung und auch von Hephata schon
einiges gehört, aber ich hätte mir nie vorstellen können, dass man hier so
gut begleitet wird.“ Doch auch für Nachwuchsforscher bot die Tagung viel
Neues: „Ich promoviere gerade über Wichern und bin daher dankbar, hier in
Hephata einmal die Spitzen der Wichernforschung persönlich kennen zu lernen und
fragen zu dürfen“, so ein Teilnehmer von der Universität Heidelberg.
Wichern in Nordhessen
Es ist
nicht leicht, eine unmittelbare Verbindung zwischen Wichern und Hephata
herzustellen. Zwar hat sich der Reformer 1868 in Kassel, Marburg und Ziegenhain
aufgehalten, sich dabei aber wohl eher für die Gefängnisse interessiert. Ob
eine Begegnung mit Franz von Roques stattgefunden hat, lässt sich heute nicht
mehr sagen, aber ein Briefwechsel zwischen Hermann Schuchard und dem Rauhen Haus
ist ab 1894 belegt. Viele Fragen des jungen Pfarrers konnten von den erfahrenen
Nachfolgern Wicherns beantwortet werden. Daher kann man eine direkte Wirkung von
Wicherns Theologie und Handlungsformen auf Hephata annehmen.
Bandbreite der Tagung
Natürlich
stand bei der Tagung Wicherns Bedeutung für die Diakonie im 19. und 20.
Jahrhundert im Vordergrund der Überlegungen. Diese arbeitete Prof. Dr. Jochen
Christoph Kaiser in seinem Abendvortrag heraus. Wichern wirkte aber auch auf die
katholische Kirche, so war es Pfarrer Dr. Friedhelm Ackva aus Mainz, der hier
Aspekte setzte. Ein guter Bekannter in der Diakonie ist Pfarrer Dr. Dr. Jürgen
Albert, der einen bewegten Beitrag lieferte und auch die Diskussion entfachte.
Viele Gäste zeigten sich überrascht über die Lebendigkeit des
Reformationsgottesdienstes. Chor, Gemeinde und Liturgie unter der Leitung von
Hephata-Direktorin Pfarrerin Barbara Eschen und Kantorin Tabea Fuhr wechselten
sich ab. Sie motivierten die Gemeinde zum Mitsingen und Mitmachen.
Am zweiten
Tag begrüßte die Vizepräsidentin der EFHD, Prof. Dr. Birgit Bender-
Junker, die Gäste, bevor Prof. Dr. Gerhard Schäfer die Tagung mit
dem Referat „Wicherns Sozialpädagogik aus theologischer Sicht“ fortführte.
Diesem folgte: „Wicherns Sozialpädagogik im Rauhen Haus“ von Prof. Dr.
Roland Anhorn. Am Nachmittag ging die Tagung der Frage nach: „Wichern im
Rahmen der Professionalisierung der Sozialen Arbeit“, ein Thema das durch
Prof. Dr. Ralph-Christian Amthor aus Würzburg eingeleitet wurde.
Was
bleibt? Die Beiträge und Diskussionen zeigen, dass das Thema Wichern nicht
vergessen, sondern gerade heute neu aufgenommen wird. Der rege Austausch von
Adressen zeigt, dass das Thema weiter verfolgt wird. Die HKV und EFHD sehen ihre
Aufgabe darin, die Ergebnisse der Tagung so schnell wie möglich zu publizieren.
(ric)